Pflegekonzept:

Seit seiner Gründung hat sich das Pflegeteam von KIMBU die medizinische Versorgung und Betreuung schwerkranker Kinder unter Einbezug des Familiensystems in ihrer häuslichen Umgebung zur Aufgabe gemacht.

Um diese Aufgabe erfüllen zu können sind wir Vertragspartner der Kranken- und Pflegekassen. Es ist unser Anliegen das Leben in der familiären Umgebung so lange wie möglich sicher und angenehm zu gestalten. Dazu reicht unser Angebot von der Betreuung der Pflegebedürftigen bis zu 24 Stunden täglich, über Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI), zusätzliche Betreuungsleistungen (§ 45b SGB XI) und medizinisch hochqualifizierter pädiatrischer Behandlungspflege (§ 37.2 SGB V).

Dafür arbeiten wir mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten eng zusammen, um einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden oder zu verkürzen oder die Nachsorge, z.B. bei ambulanten Operationen, sicher zu stellen.

Unser Einzugsgebiet Umfasst das Stadtgebiet Göttingen und bis zu 90 km um Göttingen. Die Bürozeiten sind von Montags bis Freitags von 8:00 bis 16:00 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist jederzeit, rund um die Uhr, eine examinierte Kinderkrankenpflegekraft unter der Telefonnummer 0551/374493 zu erreichen.

Unsere Mitarbeiter

Die Pflege wird unter ständiger Verantwortung einer leitenden Pflegefachkraft und deren Stellvertretungen erbracht. Deren Aufgaben sind in der Stellenbeschreibung detailliert aufgelistet. Bei der Auswahl unserer Mitarbeiter legen wir großen Wert auf deren fachliche sowie persönliche Eignung, Kundenorientierung, Teamgeist, Eigeninitiative und Interesse an Fort- und Weiterbildungen. Die jeweiligen Aufgaben sind in den Stellenbeschreibungen geregelt, die Verantwortlichkeiten im Organigramm ersichtlich (s. Qualitätshandbuch). Damit die Pflege koordiniert und Fragen und Probleme schnell bearbeitet werden können, ist es wichtig die Arbeit kompetent und im Sinne der Patienten und Kunden zu koordinieren. Deshalb ist das Büro von mindestens einer Person aus der Leitungsebene und einer Verwaltungsfachkraft besetzt.
Neue Mitarbeiter werden auf der Grundlage unseres Einarbeitungskonzeptes durch Pflegefachkräfte eingearbeitet. Regelmäßige Pflegevisiten und Dienstbesprechungen, bei denen neben dem Gespräch mit den Mitarbeitern, auch die Dokumentation als Informationsgeber fungiert, stellen sicher, dass eine fachgerechte, am Bedarf orientierte Pflege erbracht wird und der Pflegeprozess den veränderten Begebenheiten angepasst wird Zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter wird der Fortbildungsbedarf ermittelt und geplant. Alle Mitarbeiter verpflichten sich zu ständiger Fort- und Weiterbildung. Des Weiteren nehmen unsere Mitarbeiter regelmäßig an Supervisionen teil, um mit den hohen psychischen Belastungen adäquat umzugehen und die Professionalität der Arbeit aufrecht zu erhalten.

Die Geschäftsführung von KIMBU hat sich mit anderen Kinderkrankenpflegediensten zu der ‚Qualitätsgemeinschaft Häusliche Kinderkrankenpflege Niedersachsen’ zusammengeschlossen und ein gemeinsames Qualitätsmanagementsystem erarbeitet. Die Qualität der Versorgung innerhalb der Qualitätsgemeinschaft wird jährlich durch betriebseigene Auditoren, mittels interner Audits, überprüft. Um dieses System zu gewährleisten wurde ein Qualitätszirkel gegründet. Dieser erarbeitet und optimiert ggf. Qualitäts-, Pflege- und Expertenstandards und installiert sie unter Beteiligung aller Mitarbeiter.

Unsere Pflege

Grundlage unseres pflegerischen Handelns ist die Bezugspflege. Wir arbeiten mit der Pflegetheorie nach Peplau, die wir mit dem Pflegemodell nach Nancy Roper und den darin verankerten Lebensaktivitäten kombiniert und auf unsere Pflege zugeschnitten haben. Grundsätze und Leitlinien aus der Pflegetheorie und dem Pflegemodell finden sich in unserem Pflegeleitbild wieder.

Pflegetheorie

Die von Hildegard Peplau entwickelte Pflegetheorie beschreibt die Interaktion des Beziehungsaufbaus zwischen Pflegekraft und Patienten. Sie definiert die Pflege als einen zielgerichteten Prozess, der zur Erlangung von Gesundheit im Zusammenhang mit bestimmten Personen und Situationen eine Folge von Handlungen notwendig macht. Darüber hinaus ist die Pflege eine die Reife fördernde Kraft und ein erzieherisches Instrument. Mittels einer wirkungsvollen Pflege kann einzelnen Personen und sozialen Gruppen geholfen werden, ihre Fähigkeiten einzusetzen, um ihr Leben in einem erstrebenswerten Sinn zu verändern. Der Pflegeprozess ist therapeutisch und edukativ, wenn die Pflegekraft und der Patient dahin gelangen einander kennen zu lernen und zu respektieren, und zwar als Personen, die gleich und dennoch verschieden sind; Als Personen, die sich gemeinsam an der Lösung der Probleme beteiligen. Der von Peplau beschriebene Prozess lässt sich gut mit unserem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe in Einklang bringen, welches z.B. auch durch unsere familienorientierte Pflege unter Einbeziehen des Familiensystems umgesetzt wird. Im folgenden sind, wenn vom Patienten gesprochen wird, auch immer die Angehörigen gemeint, da bei unserer Arbeit häufig die Eltern Hauptansprechpartner sind. Die Theorie unterteilt fünf Punkte der Interaktion:

1. Phase der Pflegekraft – Patient Beziehung
1.1 Orientierungsphase
Diese Phase stellt den Anfang der Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient dar. Der Patient sucht Hilfe und wendet sich an die Pflegekraft/Institution. Die Pflegekraft nimmt in dieser Phase die Rolle des Zuhörers ein, erfasst Probleme und Ressourcen in der Pflegeanamnese und stellt, mit den ärztlich verordneten Leistungen, den Bedarf an Unterstützung fest. Sobald Pflegekraft und Patient beginnen eine übereinstimmende Bewertung der Probleme zu entwickeln, ist die Phase der Orientierung weitgehend abgeschlossen.

1.2 Identifikationsphase
In dieser Phase bilden sich wechselseitige Muster von Hilfesuchen und Hilfeleisten. Der Patient identifiziert sich, positiv wie auch negativ, mit der Pflegekraft und umgekehrt. Es gibt drei Möglichkeiten wie ein Patient reagieren kann: durch aktive Beteiligung an der Pflege, was zu einer wechselseitigen Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient führt, durch Verweigerung der Mitarbeit oder durch passives Geschehenlassen. Wichtig ist es die Gefühle des Patienten zuzulassen und zu verstehen, ohne die professionelle Betreuung zu vernachlässigen.
Über die gemeinsame Planung der Pflege und der Definition von Pflegeproblemen entwickelt sich eine von Akzeptanz geprägte Beziehung, in der der Patient Sicherheit und Stabilität erfährt, sodass sein Lernen und seine Entwicklung gefördert werden.

1.3 Explorationsphase/ Nutzungsphase
Der Patient beginnt die angebotene Hilfe aktiv zu nutzen und den Prozess der Hilfe bewusst zu kontrollieren. Die Rolle der Pflegekraft ist eine beratende und reflektierende. Hierbei sind die Anpassung der Pflegeplanung und die lückenlose Dokumentation wichtiges Instrument. Die Zusammenarbeit ist ein vernehmlich und erfolgreich und wird von der Pflegekraft dokumentiert. Der Patient trifft im Bezug auf Behandlung und Hilfe eigene Entscheidungen, die letztlich zu einem Wendepunkt und der letzten Phase führen

1.4 Ablösung
Der Patient verfügt nun über effektive Problemlösungsstrategien, die er eigenständig anwenden kann. Er beginnt sich von der Pflegekraft zu lösen und fördert gemeinsam mit der Pflegekraft seine Reintegration in die Gesellschaft. Am Ende dieser Phase ist auch die, von Beginn an auf eine begrenzte Dauer konzipierte Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient beendet. Für die Pflegekraft endet diese Phase mit der Evaluation des Pflegeprozesses. Diese vier Phasen sind zwar durchaus getrennt von einander zu sehen, aber sie überschneiden sich auch und bilden somit ein zusammenhängendes Ganzes.

2. Rolle der Pflege
2.1 Fremde/ Unbekannte
Die Pflegekraft ist unvoreingenommen und vorbehaltlos gegenüber dem Patienten, sie begegnet ihm mit Respekt und Interesse. Diese Attribute sind eine wesentliche Vorraussetzung für den Beginn einer interpersonalen Beziehung.

2.2 Informant/ Ressource
Die Pflegekraft bietet soweit es ihr möglich ist, Informationen und Antworten auf Probleme und Fragen, bzw. zeigt Wege zur Beantwortung auf. Dabei unterscheidet sie zwischen Sachfragen und, aus emotionalen Problemen entstehende, Bedürfnisfragen.

2.3. Lehrender
Die Pflegekraft vermittelt Wissen und leitet den Patienten an. Ziel ist es den Patienten in die Selbstständigkeit zurückzuführen. Die Pflegekraft initiiert das Lernen nicht nur, sondern bringt es voran und gibt neue Impulse.

2.4 Beratender
Laut Peplau die wichtigste aber auch schwierigste Rolle, die die meiste Anforderung an die Pflegekraft stellt. Umso wichtiger ist es, dass sich die Pflegekraft ihrer Rolle bewusst ist. Ziel ist es, den Patienten und dessen Angehörige zu befähigen seine Situation zu reflektieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, um ihre Selbstständigkeit zurück zu gewinnen. Dabei ist es wichtig seine eigenen Grenzen zu erkennen und zu wahren, um den schmalen Grat der Professionalität nicht zu verlassen.

2.5 Stellvertretung/ Ersatzperson
Viele Patienten projizieren eine ihnen bekannte Rolle auf die Pflegekraft. Um Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden ist es unabdingbar, Unterschiede zwischen sich und der Rolle zu verdeutlichen. Hierzu gehört ein großes Maß an persönlicher Stärke, Sensibilität, Selbsterfahrung und Reflektion.

3. Pflegebündnisse
Während der Versorgung eines Patienten entstehen, auf der Pflege basierende, mehr oder weniger ausgeprägte Bündnisse zwischen der Pflegekraft und dem Patienten. Man unterteilt in drei Ebenen;

3.1 Aktiv – passiv Bündnis
Die Pflegekraft trifft, z.B. für einen Patienten im Koma, sämtliche Entscheidungen bezüglich der Pflege. Dies sollte aber nur in solchen Extremfällen geschehen.

3.2 Experten Bündnis
Die Pflegekraft ist nur beratend tätig, der Patient ist in der Lage selbst zu entscheiden ob er Rat annimmt oder der Pflegekraft Folge leistet.

3.3 Kooperatives Bündnis
Pflegekraft und Patient beraten und entscheiden gemeinsam was, wann, wie durchgeführt wird

4. Angstkonzept
Peplau nennt zwei Arten von Bedürfnissen, die nur zu analytischen Zwecken getrennt werden können. 1. physiologische Bedürfnisse des menschlichen Organismus, 2. interpersonale Bedürfnisse, die die Entwicklung und die Nutzung menschlicher Fähigkeiten fördern. Wenn in einer Situation die Befriedigung dieser Bedürfnisse gefährdet ist, entstehen Ängste, die innerhalb der interpersonalen Beziehung kommuniziert werden müssen. Ursachen einer ungenügenden Bedürfnisbefriedigung können Konflikte sein, die innerhalb einer Person oder zwischen mehreren Personen bestehen. Das Ausmaß der Angst hat einen Einfluss auf die Fähigkeit eines Menschen zu handeln und zu lernen. Peplau unterteilt hier die Ängste in vier Grade:

4.1 geringe Angst
Bei einem niedrigen Angstniveau bleibt das empfundene Unwohlsein erträglich und die Fähigkeit zur Wahrnehmung geschärft. Der Mensch bleibt Herr der Situation und ist in der Lage zu lernen und zielgerichtet zu handeln. Nach Peplau ist die geringe Angst der Pflege von Nutzen.

4.2 gleich mäßige Angst/4.3 große Angst
Bei einem mittleren bis hohen Angstniveau wird die Wahrnehmung auf die Angstursache deutlich eingeschränkt. Die geistige Kontrolle über die Situation geht verloren. Dieses Stadium ist mit dem Lernen nicht mehr vereinbar, d h. es kann nicht erwartet werden, dass ein Patient in dieser Situation neue Erfahrungen macht oder Bewältigungsstrategien entwickelt.

4.4 Panische Angst
Bei einem panischen Angstniveau geht der verbleibende Rest der Handlungs- und Wahrnehmungsfähigkeit verloren und die Person wird Handlungsunfähig. Lernprozesse können in dieser Situation nicht mehr stattfinden. Die Aufgabe der Pflegekraft ist es (nach Peplau) die Angst in solchen Situationen angemessen einzuschätzen und, wenn möglich, z.B. durch Kommunikation zu mildern.

5. Schlüsselaufgaben und Ziele der Pflege nach Peplau
Die wichtigste Aufgabe der Pflege ist die Unterstützung des Patienten bei der Wahrnehmung seiner Gefühle und Bedürfnisse und die umfassende Hilfe bei der Bewältigung seiner Probleme. Der Patient wird von den Pflegekräften als individuelles Ganzes wahrgenommen und angenommen. Er bedarf der Beratung und Anleitung und der emotionalen Kraft der Pflegeperson. Als Ziel der Pflege wird die persönliche Weiterentwicklung des Patienten verstanden, so dass er seine Krankheit als Chance zur Veränderung wahrnehmen kann und mit Hilfe der Pflegekraft Strategien entwickelt, seine Selbstständigkeit wieder zu erlangen.
Diese Aufgaben, Ziele und Inhalte sind durch Pflegekräfte zu verwirklichen, die mit ihren eigenen Gefühlen und Problemen professionell arbeiten und dem Patienten helfen mit seinen Problemen umzugehen. Schlüsselaufgaben sind in diesem Prozess die Beobachtung des Ganzen (Patient innerhalb seiner Strukturen), den daraus folgenden Maßnahmen und deren Dokumentation, welches nur gelingt wenn eine kommunikative Ebene erreicht wird, auf der die Pflege eigenverantwortlich, in Absprache mit anderen Berufsgruppen, tätig wird Dazu gehört außerdem, dass sich die Pflegenden gut versorgt wissen.